Wenn der Neufundländer irgendwo in Erscheinung tritt, erregt er immer
einiges Aufsehen, ob schwarz, braun oder (seltener) weiß-schwarz.
Bärenhaft ist sein Aussehen, doch die scheinbarere Trägheit täuscht.
Trotz seiner Größe und seiner Masse ist er ein sehr behender,
beweglicher Hund. Allein durch seine imposante Erscheinung hält er
unliebsame Besucher und Zeitgenossen auf Distanz - egal, ob er mit dem
Schwanz wedelt oder, was sehr selten geschieht, seinen Unmut durch ein
leises Brummen kundtut.
Erwachsene Rüden erreichen im Durchschnitt eine Widerristhöhe
von 71 cm, Hündinnen etwa 66 cm. Das Gewicht schwankt bei Rüden
zwischen 55 kg und 75 kg; Hündinnen wiegen zwischen 50 kg und 60 kg.
Mit seinem kompakten, massiven, kurz behaarten Kopf, dunklen, verhältnismäßig
kleinen Augen, anliegenden, dreieckigen Ohren (mit abgerundeten Spitzen),
einer großen, gut pigmentierten Nase und seiner harmonischen
Gesamterscheinung erweckt er bei vielen den Eindruck eines großen,
liebenswerten Kuschelbären.
Das wasserundurchlässige Stockhaar mit dichter Unterwolle kann
für ihn im Hochsommer lästig sein. immer dann fühlt sich
der Neufundländer am wohlsten, wenn die Temperaturen niedere Werte
erreichen, die für den Menschen vielleicht als weniger angenehm empfunden
werden. An heißen Tagen verkriecht er sich gerne in kühlen Räumen
mit Fliesenboden, oder er gräbt sich unter einem schattigen Baum im
Garten Kuhlen, verbringt dort den Tag und taucht erst dann wieder auf,
wenn die Temperaturen erträglicher sind. Die Übergangsjahreszeiten
passen eher zu ihm. Auch im Winter liegt er gerne im Garten und lässt
sich dort auch mal vollständig einschneien. Der Aufenthalt im Wasser
ist für den Neufundländer eine willkommene Erfrischung. Weniger
erfahrene Neufundländerbesitzer meinen, dass sie mit dem Kauf ihres
Hundes ausgesprochene Wasserratten erworben haben und sind dann enttäuscht,
wenn sich ihr Hund dem feuchten Element nur zaghaft nähert. Wie bei
allen anderen Rassen gibt es selbstverständlich auch unter den Neufundländern
Hunde, die wasserscheu sind. Andere, dagegen sind geradezu verrückt
danach - sie scheinen förmlich das Wasser zu erahnen. Zum größten
Teil ist all dieses Erziehungs- und Gewöhnungssache. Ein frühzeitiges
spielerisches Vertrautmachen mit dem nassen Element schon im Welpenalter
ist vorteilhaft. Nie sollte man hier mit aller Macht etwas erzwingen wollen
Seine Herkunft
In seinem Ursprungsland war der Neufundländer ein ausgesprochener
Gebrauchshund, der die Einwohner, die hauptsächlich vom Fischfang
lebten, bei ihrer täglichen harten Arbeit unterstützte. Durch
seine Konstitution, seine Kraft und Ausdauer, seine Robustheit, sowie
geschützt durch sein dichtes Fell war er für das Arbeiten in
diesem unwirtlichen Land bestens geeignet. Er half u.a. beim Anlanden
der Netz, zog in stürmischer See Boote ans Ufer und wurde als Schlittenhund
beim Transport von Baumstämmen eingesetzt.
Auch heute wird diese Rasse wieder vermehrt für die Wasserarbeit
herangezogen und es wird die Ausbildung von Wasserrettungshundeteams verstärkt
vorangetrieben. In Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz sind
seit Jahren Arbeitsgruppen aktiv, die speziell mit dem Neufundländer
im Wasser arbeiten, und die seinen ausgeprägten Rettungssinn fördern.
Die Ausbildung der Hunde und die Anforderungen an sie sind inzwischen international
standardisiert. Der Neufundländer ist nicht geeignet, zum Schutzhund
ausgebildet zu werden. Aber Unterordnung und Gehorsam lernt er sehr gut
zusammen mit anderen Hunden. Erziehungskurse (mit anschließender
Begleithundeprüfung), die überall von den örtlichen Hundevereinen
angeboten werden, sind auf jedem Fall zu empfehlen.
Über die Abstammung dieser Rasse gehen die Meinungen teilweise
stark auseinander. Woher sie ursprünglich stammt, besagt der Name
- Neufundland ist eine Insel, die Kanada östlich vorgelagert ist.
Der Rassestandard des internationalen Dachverbandes FCI (Federation Cynologique
Internationale), dem der deutsche Dachverband VDH (Verband für das
Deutsche Hundewesen) angeschlossen ist, legt fest, dass der Neufundländer
aus (in Neufundland) einheimischen Hunden und dem "großen schwarzen
Bärenhund", der nach dem 10. Jahrhundert von den Wikingern eingeführt
wurde, abstammt. Aber wer kann die wirkliche Abstammung schon belegen?
Emmy Bruno, eine exzellente Kennerin der Rasse, schreibt in ihrem Buch
"Neufundländer": "Die weit zurückliegenden Ursprünge einer
Hunderasse jenseits der geschriebenen und dokumentierten Geschichte auszugraben,
ist ein sehr schwieriges Unterfangen. Gesicherte Dokumente reichen meist
nicht mehr als ein Jahrhundert zurück, datiert von dem Zeitpunkt an,
als der Anfang einer modernen Liebe zum Hund diesen endlich in den Vordergrund
stellte." Letztendlich ist die Abstammung einzelner Hunderassen sicherlich
von großem wissenschaftlichen Interesse, für den einzelnen Hundekäufer
bzw. -besitzer ist das aber eher zweitrangig.
Der Familienhund
Wichtiger für jeden potentiellen Hundekäufer sind das Wesen
und die Gesundheit des Tieres, welches für mehr als 10 Jahre Mitglied
im Familienverband werden soll. Der Neufundländer ist ein idealer
Familienhund: treu, behutsam im Umgang mit Kindern und anderen Tieren.
Familienhund im eigenllichen Sinn bedeutet selbstverständlich auch
den ständigen Kontakt zur Familie und Zuwendung von Seiten der Familie.
Dauerndes Alleinsein ohne Beschäftigung stumpft den Hund ab. Sein
ruhiges, besonnenes Wesen verträgt keinen Besitzer, der Hektik mit
Aktivität und Autoritätsgehabe mit Stärke verwechselt. Ein
"Abrichten auf den Mann", der ständige Aufenthalt in einem engen Zwinger
oder gar an einer Kette verdirbt den guten Charakter dieses liebenswürdigen
Hundes. Natürlich bedarf er einer starken Hand, schon im Welpenalter
sollte er, wie jeder Hund, konsequent erzogen werden. Immer sollte ihm
klar sein, daß er in der Familienhierarchie an letzter Stelle steht,
daß er sich nie über eines der kleineren bzw. schwächeren
Mitglieder der Familie stellen darf. Denn ein Hund dieser Größe,
der meint, er könne tun und lassen, was er will, wird zur Last für
den Besitzer und zu einer Belästigung oder gar Gefahr für seine
Umwelt. Die Kinderfreundlichkeit des Neufundländers gilt als sprichwörtlich;
dabei sollte man aber nie vergessen, daß ein Hund eben ein Hund ist
auch wenn er noch so "kuschelig" aussieht. Wie Kinder, besonders Kleinkinder
im Umgang mit Hunden reagieren, ist nicht vorhersehbar. Kinder werden den
Hund oft nicht "hundegerecht" behandeln. Daher sollten Kleinkinder nie
mit einem Hund alleine gelassen werden auch nicht mit einem Neufundländer.
So sollten Kinder auch zum hundefreundlichen Umgang angehalten und angeleitet
werden !
Verantwortungsvolle Aufzucht
Neben dem Wesen gilt das besondere Augenmerk den betreuenden Rassehundezuchtvereine
der Gesundheit der Hunde. Die zur Zucht eingesetzten Tiere werden von den
Verbänden des VDH ständig überwacht, die Züchter und
die Würfe werden durch die vom Verband eingesetzten Zuchtwarte betreut.
Nur gesunde, wesensfeste Hunde werden zur Zucht zugelassen, und durch die
Kontrolle des jeweiligen Vereins ist eine optimale Versorgung und Aufzucht
des Wurfes weitestgehendst gewährleistet.
Eine gute Aufzucht mit gesunder Ernährung und optimaler Umwelt,
eine tierärztliche Betreuung (Impfung und Entwurmung) und der Kontakt
der Welpen während der Prägephase zu allem, was da "kreucht und
fleucht", sind die Grundlagen für einen gesunden, wesensfesten Neufundländer.
Verantwortungsvolle Züchter " verschließen" ihre Welpen
nicht. Scheue und verängstigte Welpen bleiben aller Voraussicht nach
ihr Leben lang verhaltensgestört. Daher sollte man beim Kauf sehr
kritisch ein; man sollte sich die Zuchtstätte sowie die Elterntiere
sehr genau anschauen und bei Bedarf den Züchter auch "examinieren".
Dabei muß man sich natürlich auch gefallen lassen, daß
man vom Züchter selbst sehr kritisch betrachtet wird. Und das zeichnet
einen guten Züchter neben vielem anderen aus: Er liebt seine Hunde
und will sie natürlich nur in gute Hände abgeben; daher ist er
sehr kritisch gegenüber den potentiellen Käufern; er fragt sie
über ihre familiären und "häuslichen" Verhältnissen
aus und er will sicher auch wissen, ob man sich die mit der Haltung eines
so großen Hundes verbundene finanzielle Belastung leisten kann. Auch
behält er sich ausdrücklich ein vertragliches Rückkaufsrecht
des Welpen vor.
Etagenwohnungen (evtl. sogar im Obergeschoß ohne Fahrstuhl) sind
für Neufundländer in den meisten Fällen ungeeignet. Für
das Halten dieses Hundes ist ein Garten unbedingt doch von Vorteil.
Durch verantwortungsvolle Verpaarungen versuchen die Züchter,
nach Möglichkeit sog. rassetypische Krankheiten zu vermeiden.
Wie übrigens bei allen groß- und schnellwüchsigen Hunderassen,
bereiten dem Neufundländer Erkrankungen der Hüfte und des Ellenbogenbereichs
Probleme. Seit mehr als 30 Jahren versuchen die Zuchtvereine durch "Selektion
sogen. erbkranker Tiere", die Hüftgelenksdysplasie (HD) in den Griff
zu bekommen. Während man früher der Meinung war, daß die
Erblichkeit der HD sehr hoch sei, geht man nach dem derzeitigen Stand der
Forschung davon aus, daß zu einem erheblichen Teil auch fehlerhafte
Aufzucht, Fütterung und Umwelteinflüsse für die Erkrankung
der Hüfte und der Ellenbogen verantwortlich sind.
Auf jeden Fall sollte jeder, der sich einen Neufundländerwelpen
zulegt, gewissenhaft die Aufzuchtempfehlungen befolgen, die ihm jeder verantwortungsvolle
Züchter mitgibt.
Als Welpeninteressent sollte man sich die Elterntiere genau anschauen.
Wie ist z.B. das Wesen des Muttertieres? Wenn das Vatertier nicht beim
Züchter lebt (das ist der Normalfall), so sollte man sich wenigstens
sein Foto sowie seine Ahnentafel mit den HD-Auswertungen zeigen lassen
und auch da nach dem Wesen und dem Charakter des Vaters fragen.
Ebenso wie Kleinkinder sollte man auch einen Neufundländerwelpenpen
bzw. Junghunde bis zum Alter von gut l0-l2 Monaten nicht überstrapazieren:
Kein Treppenlaufen, kein Hürdenspringen (Hundeplatz), keine langen
Spaziergänge (mit 10 Wochen reicht ein kurzer Ausgang von 5 Minuten
mehrmals täglich).Man sollte dem Hund, soweit es vom Gewicht
her möglich ist, ins Auto heben oder ihm wenigstens beim Einstieg
behilflich sein. Dasselbe gilt nalürlich für das Aussteigen.
Täglicher Kontakt mit anderen Hunden und Menschen besonders
auch mit Kindern - ist für die Entwicklung des Welpen ungeheuer wichtig.
Bei der Fütterung sollte man eher bei der Quantität, jedoch nicht
bei der Qualität sparen.
Viele Welpenbesitzer Überfüttern ihre Hunde. Bei übergewichtigen
Junghunden werden sowohl Bändner als auch Knochen zu stark beansprucht
HD- und Ellenbogenprobleme können die Folge sein. Zusätzliche
Vitamingaben sind in der Regel überflüssig oder sogar schädlich.Wie
schon erwähnt, wird normalerweise beim Kauf eines Welpen eine Fütterungs-
und Aufzuchtanleitung mitgegeben.
Kein Modehund
Daß der Neufundländer nicht im wahrsten Sinne des
Wortes zu einem Modehund verkommt, dafür ist zum größten
Teil seine anspruchsvolle Haltung und sein Platzbedarf verantwortlich.
In Deutschland werden jährlich etwa 1000 Welpen in die Zuchtbücher
der nachstehend genannten Vereine eingetragen.
Es versteht sich von selbst, daß Hunde nicht in einer Zoohandlung
oder gar in einer "Hundefabrik" gekauft werden sollen. Die vermeintlichen
Einsparungen beim Kaufpreis dieser meist kranken und verhaltensgestörten
Welpen werden (doppelt und dreifach beim Tierarzt) wieder ausgegeben.
Leider werden in den letzten Jahren auch verstärkt Neufundländer
aus Ländern eingeführt, die man früher zum sogen. Ostblock
zählt. Die Abstammung und Aufzucht dieser Welpen sind in der Regel
fraglich bzw. fragwürdig. Häufig befinden sie sich in einem sehr
schlechten Gesundheitszustand. Auch Mitleid ist hier ein schlechter Kaufratgeber,
da es nur dem Händler nützt und nicht den Hunden. Wer sich für
einen Neufundländerwelpen interessiert, findet kompetente und zuverlässige
Beratung bei den Welpenvermittlungsstellen der beiden zuchtbuchführenden
Vereine (DNK e.V. und im VND e.V.).
Wer sich vor dem Kauf eines Welpen ausführlich über diese
Rasse informieren möchte, sollte sich entsprechende Fachliteratur
besorgen und sich wirklich überlegen, ob diese Rasse die Richtige
ist.
geschrieben von Siegward Bombe
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